Etabliertes Recycling von PVC-Bauprodukten

Seit über 50 Jahren gehört der vielseitige Werkstoff PVC zu den wichtigsten Kunststoffen weltweit, ist international anerkannt und am Markt bewährt. PVC zeichnet sich durch sein besonders breites Anwendungsspektrum aus.  Die Produkte sind meist kostengünstig in der Anschaffung und im Unterhalt. Dabei tragen sie während ihres gesamten Lebenszyklus immer mehr zur nachhaltigen Entwicklung bei: durch moderne Herstellungs- und Produktionsverfahren, den verantwortungsvollen Umgang mit Energie und Ressourcen, die kostengünstige Herstellung und Verarbeitung, aber auch durch etablierte Recyclinglösungen.

Der kürzlich veröffentlichte Fortschrittsbericht von VinylPlus®, dem Nachhaltigkeitsprogramm der europäischen PVC-Branche, belegt, dass im zurückliegenden Jahr 2017 insgesamt 639.648 Tonnen recyceltes PVC registriert wurde. Damit sind fast 80 Prozent des angestrebten Jahresziels von 800.000 Tonnen bis 2020 erreicht. Zum Vergleich: In 2016 wurden noch 560.492 Tonnen recyceltes PVC registriert. Weitere Ziele des VinylPlus-Programms, welches im offenen Dialog mit Stakeholdern aus Industrie, NGOs, Behörden und Verbrauchern entwickelt wurde, sind unter anderem die Verbesserung der Nachhaltigkeit von PVC-Produkten und deren Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung. Das Programm gilt in allen 28 EU-Mitgliedsstaaten sowie in Norwegen und der Schweiz.

Die AGPU ist assoziiertes Mitglied von VinylPlus und engagiert sich in Deutschland seit 30 Jahren mit ihren rund 60 Mitgliedsunternehmen aus der gesamten PVC-Wertschöpfungskette für den Werkstoff. Die intensive Zusammenarbeit auf europäischer Ebene trägt dazu bei, dass Bewusstsein für Nachhaltigkeit in der Branche und darüber hinaus weiter zu stärken.

Auch beim 21. Altkunststofftag des Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. (bvse) Mitte Juni in Bad Neuenahr wurde eine positive Zwischenbilanz für das Recycling von PVC-Bauprodukten gezogen. Für zahlreiche Produkte wie Fenster, Bodenbeläge, Rohre, Dach- und Dichtungsbahnen oder Kabelummantelungen gibt es hierzulande seit Jahren etablierte Recyclinglösungen, die zum Erreichen der europäischen Ziele wesentlich beitragen.

Werkstoffliches Recycling

Knapp 73 Prozent des jährlich hergestellten PVC wird im Baubereich eingesetzt und wie in der Produktion sind folglich auch in der Abfallwirtschaft PVC-Bauprodukte mengenmäßig am bedeutendsten. Um die Verwertung kümmern sich in Deutschland diverse Recyclinginitiativen, wie die AgPR Arbeitsgemeinschaft PVC-Bodenbelag Recycling und RoofCollect (Dachbahnen). Für Fenster hat die Rewindo GmbH mit ihren Recyclingpartnern ein flächendeckendes Rücknahmesystem eingerichtet. 2017 konnten insgesamt rund 100.000 Tonnen PVC-Regranulat aus Altfenstern und Produktionsabschnitten gewonnen werden. Seit Anfang 2005 bilden die Rohr-Recycling GmbH & Co. KG in Westeregeln und der Kunststoffrohrverband e.V. (KRV) eine Allianz, um die Verwertungsmengen zu steigern. Diese Initiative nimmt PVC-Rohre bundesweit zurück und sorgt für die Verwertung der Altprodukte.

Vorwiegend das Mittel der Wahl in diesem Prozess ist nach wie vor das werkstoffliche Recycling. Hierbei wird aus den ausgedienten Produkten ein Rohstoff gewonnen, der wieder in neuen Anwendungen verwendet werden kann. So ist das beim Fensterrecycling gewonnene Regranulat in neuen Fensterprofilen, ummantelt mit PVC-Neumaterial, als Recyclatkern zu finden. Der Einsatz der PVC-Recyclingprofile ist mittlerweile Standard. Anwendbar ist dieses Prinzip auch für PVC-Böden und -Rohre, bei denen das Regranulat auf der Unterseite bzw. in der Mittelschicht eingesetzt werden kann. Etablierte, langlebige Produkte werden schließlich – zum Teil als Mischfraktion – auch aus alten PVC-Kabelummantelungen hergestellt. Hier reicht die Palette vom Bakenfuß, über Schächte und Bretter bis zum widerstandsfähigen Industriebodenbelag.

Ressourcen schonen und Energie sparen

Innovative, sichere und langlebige Bauprodukte aus PVC leisten einen wichtigen Beitrag zur Ressourceneffizienz und tragen so zum Gelingen einer „low corbon“ Kreislaufwirtschaft bei. Besonders deutlich wird dies bei modernen Energiesparfenstern aus Kunststoff. Durch ihren Einbau kann der Wärmebedarf eines Gebäudes um bis zu 15 Prozent gesenkt werden. Laut einer aktuellen Studie vom Verband Fenster + Fassade (VFF) und des Bundesverbandes Flachglas gibt es allein in Deutschland im Gebäudebestand noch 17 Millionen Fenstereinheiten mit Einfachglas. Würden diese gegen moderne Kunststofffenster ausgetauscht, könnten allein dadurch rund 1,9 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Besonders hoch ist die Energieeffizienz bei Fenstersystemen nach dem Passivhaus-Standard mit einem Uw-Wert von 0,8 W/m2K oder weniger. Moderne Lüftungssysteme mit integrierter Wärmerückgewinnung sorgen für frische Luft und reduzieren die Raumfeuchtigkeit, ohne dass dabei wertvolle Energie verloren geht.

Weiterentwicklungen und Innovationen

Viele moderne PVC-Produkte sind heutzutage wahre Hightech-Wunder, die dank ihrer Vielzahl an Eigenschaften und Funktionen immer mehr Menschen begeistern. Der Werkstoff erlaubt es, mit seinen Additiven die Produkte zielgenau auf ihre Anforderungen zu „programmieren“. Seien es hocheffiziente Fenster- und Fassadensysteme aus Kunststoff, besonders hygienische und pflegeleichte Bodenbeläge aus Vinyl mit naturgetreuer Holz- oder Steinoptik, sehr widerstandsfähige Dach- und Dichtungsbahnen zum Beispiel in Schwimmbädern und auf Bürodächern sowie beschichtete Gewebe für moderne Sportstadien oder äußerst langlebige PVC-Rohrleitungssysteme über und unter der Erde.

Die Unternehmen der PVC-Branche – egal ob Hersteller oder Verarbeiter – investieren seit Jahren massiv in die nachhaltige Weiterentwicklung ihrer Prozesse und Produkte. Dabei ist das Thema Innovation in vielen Unternehmen fester Bestandteil der Zukunftsstrategie. Für solch vorausschauendes Denken und Handeln ist es heute unerlässlich, das Lebensende und die Möglichkeiten von Rezyklateinsatz bereits am Anfang der Entwicklungen mit zu berücksichtigen.